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Eigentlich wollten wir Antworten auf die Frage finden, wie wir denn New Work in unseren Unternehmen umsetzen können. Doch dann kam es anders. Ein Bericht über ein BarCamp, das dem Trend New Work auf den Zahn fühlte.

New Work-Realitätscheck beim WorkVision BarCamp

Ihr Background war genauso divers wie die Beweggründe, die sie in den bluebird.space kommen ließen. Was die TeilnehmerInnen teilten, war das Interesse an diesem Thema, das so viel versprach, so wenig hielt und doch immer wieder die Hoffnung nährte, dass wir glücklicher, effizienter und nachhaltiger zusammenarbeiten könnten.

New Work war der Grund, warum 20 motivierte GeschäftsführerInnen, GründerInnen, Junior Chefs, Führungskräfte, MentorenInnen und HR-ExpertenInnen sich am 04. und 05. November zum WorkVision BarCamp im bluebird.space und ungefähr noch einmal so viele in der Science City in Salzburg einfanden. Gemeinsam wollten wir Antworten finden, die unsere Arbeitswelt New Work-fähig machten. Soweit der Plan.

New Work – die Worthülse

Wir diskutierten in tollen Sessions über hybrides Arbeiten, funktionierende Arbeitsumgebungen oder Transformationen von Old zu New Work in traditionellen Kontexten. Wir lernten so manches über Empowering Leadership und entdeckten neue Problemlösungsansätze. Wir tauschten uns aus, staunten, hinterfragten – und stellten fest, dass wir eine Frage eigentlich noch nicht geklärt hatten:

Was eigentlich ist New Work? Was bedeutet New Work für den Software Engineer, den Montagearbeiter und was für die Verkäuferin im Supermarkt? Was ist drinnen in der Worthülse New Work?

Mascherl oder Beitrag zum Unternehmenszweck

“Bitte gebt uns Vertrauen, keine Spielzeuge.“ So der Appell von MitarbeiterInnen an ihre Führungskräfte – kürzlich veröffentlicht vom Magazin T3n. Ein Weckruf, den auch Johannes Ferner, CEO des erfolgreichen Startups Fiskaly, in den Fokus seiner Session stellte. „New Work ist nicht Home Office“, so seine Ansage, die von vielen BarCampernInnen bestätigt wurde: Es reicht nicht mehr aus, sich mit dem Mascherl „New Work“ zu schmücken! Veränderung lässt vergeblich auf sich warten, wenn Büros „New Work-konform“ umgestaltet werden und Aufbauorganisationen unangetastet bleiben. MitarbeiterInnen bleiben auch weiterhin passiv, wenn von Vertrauen nur gesprochen und letzten Endes alles selbst entschieden wird. Passieren diese Dinge, ist New Work maximal ein Mascherl. Ein Etikett, das im besten Fall das Unternehmensimage kurzfristig aufpoliert. Dem eigentlichen Unternehmenszweck wird es jedoch nicht dienen.

Start with Why

Simon Sinek fordert uns bereits seit einigen Jahren dazu auf. Fangt mit dem Warum an! Warum? Weil dann sehr schnell klar wird, was wir zu tun haben! „Warum machen wir New Work?“ Auch Julia Gehmacher, Jungunternehmerin im Salzburger Traditionshaus Gehmacher, wurde auf diese Frage zurückgeworfen, als sie gemeinsam mit ihren Eltern beschloss, ihr Unternehmen zu verändern.
Wie viele andere hat auch Julia festgestellt, dass diese Frage ins Mark treffen kann. Nicht selten initiiert sie eine tiefgehende Reflexion der eigenen Unternehmensstrategie oder lässt enttäuschte MitarbeiterInnen zurück, weil es mit der neuen Kaffeemaschine oder der Büroneugestaltung doch nichts wird. Dennoch: Bleibt diese Frage unbeantwortet, verrennt sich New Work in unwirksamen Einzelinitiativen.

New Work muss dem Unternehmenszweck dienen

Darüber herrschte sehr bald ein Konsens im BarCamp im bluebird.space. Während New Work in manchen Fällen direkt auf die Wertschöpfung einzahlt, weil es beispielsweise die Zusammenarbeit verbessert, sind andere Vorteile erst über Umwege spürbar. Zum Beispiel dann, wenn es die Arbeitgeberattraktivität steigert oder die Fluktuation verringert.
Und so kamen wir im BarCamp über diese wertvollen Diskussionen dann irgendwann doch zu dem, worüber wir eigentlich sprechen wollte. Über das Wie. Darüber, wie wir unsere Leute ins Home Office bringen und dazu beitragen können, dass sie sich wohlfühlen. Darüber wie Arbeitsraumgestaltung die jeweiligen Aufgaben unterstützen kann oder darüber, wie eine Fehlerkultur aussehen muss, um Eigeninitiative und unternehmerisches Denken bei MitarbeiterInnen zu fördern.

Um über das WIE in Unternehmen zu diskutieren, muss das WARUM auf Führungsebene geklärt sein. Von dort muss das Commitment kommen. Dann haben Bottom-up Initiativen eine Chance. Dann finden sie den Nährboden, um Neues auszuprobieren, Fehler machen zu dürfen und Weiterentwicklung anzuregen. Und dann tut New Work das, was es tun soll: dem Unternehmensweck dienen.

New Work ist noch lange nicht am Ende

Es waren zwei spannende Tage beim WorkVision BarCamp im bluebird.space. Zwei Tage, die einige Fragen beantworteten und viele andere aufwarfen. Zwei Tage, die uns von dem Format des BarCamps überzeugten, weil es Diskussion dort möglich machte, wo Fragen brannten.

Für uns als Veranstalter steht fest: New Work ist zwar in aller Munde, aber noch lange nicht zu Ende gedacht. Grund genug, weiterzudenken und weiterzudiskutieren – vielleicht beim nächsten BarCamp im bluebird.space.

Autorin

Birgit Schreder-Wallinger ist leidenschaftlicher Bluebird und begeisterte New Workerin. Als freie Texterin schreibt sie Texte rund um die Themenbereiche New Work, Organisationsentwicklung, Strategie, Leadership und Erfolg. Als Ghostwriter und Autorencoach unterstützt sie Experten bei der Umsetzung ihrer Fach- und Sachbücher. Auf ihrem Blog veröffentlicht sie Tipps für Autoren und Rezensionen aktueller Sach- und Fachbücher. www.schreder-schreibt.com

Fotogalerie

Fotocredits Tobias Wannersdorfer